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EVANGELISCH-LUTHERISCHE GEMEINDE "RETTUNG"

St. Minsk, Belarus

 Rettung

Die Wiederbelebung des Luthertums in Weißrussland
(1993-2010)

Der Autor: die Leiterin der evangelisch-lutherischen Gemeinde „Rettung“
O. Stockmann, Minsk.

Das Abkürzungsverzeichnis im Text:

  1. BELG – der Bund evangelisch-lutherischer Gemeinden in der Republik Belarus.
  2. SELK in der RB – die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche in der Republik Belarus.
  3. BELK in der RB – die Belorussische Evangelisch-Lutherische Kirche in der Republik Belarus.
  4. ELKRAS – die Evangelisch-Lutherische Kirche in Russland, der Ukraine, in Kasachstan und Mittelasien.

Das Luthertum begann auf das belorussische Territorium seit der ersten Hälfte des XVI.

Jahrhunderts einzudringen. Es kam aus Livland (das heutige Territorium von Lettland hat das Luthertum im Jahr 1525 angenommen). Am Ende des XVI. Jahrhunderts gab es aufs Territorium des Großfürstentums Litauen schon acht lutherische Gemeinden. Die Kirchgänger waren vorwiegend die deutschstämmigen Bürger. Vom XVI. Jahrhundert begannen sich die deutschen Lutheraner in Russland anzusiedeln. Unter ihnen waren Handwerker, Militärleute, Kaufleute, Wissenschaftler. Derselbe Prozess geschah im Großfürstentum Litauen aufs Territorium des heutigen Weißrusslands. In Sluzk sind Gemeinden bekannt, wo der letzte Pfarrer Michael Steinbrecher war. Seit 1840 ist die Gemeinde in Sluzk die Filiale der Minsker lutherischen Gemeinde geworden. Der erste lutherische Pfarrer Minsker Gemeinde war Karl Ludwig Hemmerich. In Dresden geboren, wurde er 1785 in Warschau  ordiniert. Die nachfolgenden Pfarrer waren Karl Bläckmann und Peter Vilkams. Im Jahr 1840 wurden der lutherischen Gemeinde in Minsk vom Imperator Nikolaus I. 20000 Rubel für den Aufbau einer lutherischen Kirche gespendet. Im Jahr 1840 wurde das St. Nikolaus Kirchengebäude gebaut und funktionierte bis zum Jahr 1933, wann das Gebäude der lutherischen Gemeinde fortgenommen und ins Jugendtheater umgebaut wurde. Die andere lutherische Kirche wurde im Jahr zerstört.

Die Gemeinden in Mogiljov, Brest, Witebsk sind bekannt. Die Pfarrer dieser Gemeinden waren im XX. Jahrhundert Eduard Sack, Friedrich Heinlet u. a.

Im XX. Jahrhundert wurden alle Kirchen aufs Territorium der Sowjetunion zerstört. Gemeinsam mit Orthodoxen und Vertretern anderer Konfessionen und Religionen hatten  Lutheraner Verfolgungen zu überstehen, starben in Lagern und Verbannungen, wurden Massenumsiedlungen in Randgebiete der damaligen Sowjetunion unterworfen. Die in vorigen Jahrhunderten gebauten Kirchen wurden zerstört. Es ging der  Prozess der Bildung von neuer geistig anspruchloser gottloser Gesellschaft. Doch jede Epoche hat ihren Anfang und Ende. Das Ende der Gottlosigkeit, die durch Diktatur der sowjetischen Regierung aufgezwungen wurde, kam in 90-er Jahren des XX. Jahrhunderts. Am 17. Dezember 1992 wurde in Weißrussland das Gesetz „Über die Gewissenfreiheit und religiöse Organisationen“ erlassen. Das Gesetz gab jedem Bürger des Landes das Recht auf die Gewissen- und Religionsfreiheit, sowie das Recht auf die Gleichheit vor dem Gesetz unabhängig von der Religionseinstellung und machte den Anfang der Wiederaufrichtung von Kirchen aller Glaubensbekenntnisse.

Man kann nicht über das Wiederaufleben des Luthertums in Weißrussland ohne kurze historische Übersicht der Entwicklung des Luthertums in Russland erzählen, die beinahe schon 430 Jahre aufzählt.

Die Geschichte der deutschen Lutheraner wurde ein Teil der Geschichte Russlands.

Im Russischen Reich wurde die Lutherische Kirche dem Generalkirchenamt in Petersburg unterworfen, das, seinerseits, Kaiser unterworfen wurde. Seit Beginn des XVIII. Jahrhunderts war sie faktisch die Staatskirche. Nikolaus II. war der letzte summus epuscopus, das heißt das letzte weltliche Oberhaupt der Lutherischen Kirche Russlands.

      

Im XX. Jahrhundert geschah die Beseitigung der Lutherischen Kirche in Russland. Die Gläubigen wurden erschossen oder nach Sibirien deportiert. Das Gebäude der Lutherischen Hauptkirche in Petersburg (Leningrad) Petrikirche wurde ins Schwimmbad umgebaut.

Von alters her galt die Lutherische Kirche als Deutsche Kirche, unabhängig von der Nationalität der Kirchgänger. In Stalins Zeit begannen die Repressionen und Zwangsaussiedlungen in die asiatische Region des Landes von Leuten, die Lutheraner oder Deutsche waren.

    

Doch die Lutherische Kirche hat das ausgehalten. Lutherische Kirchengemeinden setzten ihren Dienst in fernen Örtchen des Landes fort. Sie schlossen sich zu brüderlichen Gemeinden wie Gemeinden der Deutschen Kirche.

Die Lutherische Kirche Russlands begann ihren Wiederaufbau seit 1980. In 1988 wurde Harold Kalnin zum Bischof gewählt. Er hat viel für die Wiedergeburt der kasachischen und mittelasiatischen  Gemeinden gemacht.

1994 fand in Petersburg die 1. Generalsynode der neugebildeten Kirche, bei der Georg Kretschmar im Zusammenhang mit Harald Kalnins Tod zum Bischof gewählt wurde.

Im europäischen Teil Russlands, in der Ukraine und in vielen anderen Orten, wo man im Laufe von Jahrzehnten nichts von lutherischen Gemeinden gehört hatte, gab es Leute, die lutherische Christen werden wollten und versuchten, trotz Traditionsbrüche, sich in ihren Glauben in den Orten zu verstärken, wo die Kirchen vom Staat irgendwann entnommen oder zersprengt worden waren.

Zu solchen Plätzen gehörte auch Weißrussland. Die Geschichte der Wiederbelebung der Lutherischen

Kirche in Weißrussland ist eng mit der Geschichte der wiederaufgelebten Kirche Russlands verbunden – an sie wandten sich die neu gebildeten Gemeinden Weißrusslands um Hilfe und Unterstützung.

In Weißrusslands wurden die ersten lutherischen Gemeinden registriert. 1994 wurde in Minsk die erste Gemeinde „Rettung“ registriert, die von Olga Stockmann – einer deutschstämmigen Frau, deren Großvater Lutheraner war, organisiert wurde.

Im nächsten Jahr wurde in Grodno die Gemeinde registriert, die von Andrej Miller organisiert wurde, der auch deutsche Wurzeln hatte.

1997 gibt es in Weißrussland schon 3 Gemeinden – in Witebsk wird eine neue Gemeinde unter Leitung von Leonid Zwicki registriert.

Die Gesetze der Republik Belarus vermitteln eine positive Einstellung zur Religion, erlauben den Bürgern frei ihre eigene Haltung dazu einzunehmen, jede Religion allein sowie gemeinsam mit den Anderen zu bekennen. Die Gleichheit aller Religionen und Glaubensbekenntnisse vor dem Gesetz ist proklamiert. Die Registerordnung der Schaffung religiöser Organisationen und rechtlicher Verselbstständigung ist verabschiedet. In 90-er Jahren vorigen Jahrhunderts galt die Erlaubnis der Regierung über die Registrierung der religiösen Organisationen in privaten Wohnräumen. Deshalb konnten die Gemeinden ihre juristische Adresse an die Adresse des Gemeindeleiters bekommen. Die Räume für Gottesdienste wurden von Gemeinden in öffentlichen Gebäuden gesucht. Die Gemeinde in Grodno führt ihre Gottesdienste im Gebäude der lutherischen Kirche – der einzigen lutherischen Kirche aufs belorussische Territorium, die im XVIII. Jahrhundert gebaut wurde. Die Gemeinde in Witebsk versammelt sich sonntags im Kinogebäude. Die Gemeinde „Rettung“ in Minsk führt Gottesdienste im internationalen Bildungszentrum, das dank der Unterstützung von Geldgebern aus Nordrhein Westfallen gebaut wurde.

Diese Jahre sind durch heftige Entwicklung der religiösen Tätigkeit gekennzeichnet, erscheinen die neuen Formen zwischenkirchlicher Beziehungen. Eine der neuen Organisationen war im Jahr 1996 die zwischenkonfessionelle Gruppe „Christliche Kirchen in postkommunistischen Weißrussland“, die ihre Arbeit im Gebäude des internationalen Bildungszentrums begann.

Der Begriff „Ökumenismus“ war neu und schwer verständlich; Judith Palm, die Frau, die aus Deutschland kam und Pfarrer war, sammelt die Gruppe von Vertretern verschiedener Kirchen und hält Seminare, wo sich vor kurzem registrierte in Weißrussland Gemeinden miteinander bekannt machen. Es wurde ein Dialog über die Zusammenarbeit und gegenseitiges Verständnis verschiedener christlicher Konfessionen organisiert. Von der Lutherischen Kirche wurde zum Seminar O. Stockmann eigeladen – die Leiterin der Gemeinde „Rettung“.

1997 beginnt seine Arbeit „Rundtisch der zwischenkirchlichen Hilfe in der Republik Belarus“, sein Organisator war Miroslav Matrentschik, Orthodoxer aus Polen. Der Sekretär, und später der Leiter dieser Organisation wurde Nikolaj Matruntschik, ein Vertreter der orthodoxen Bruderschaft von drei Wilner Märtyrern. Die Aufgabe der neu geschaffenen Organisation war die Entwicklung diakonischer und sozial-kirchlicher Tätigkeit der konfessionellen Abgrenzungen in Weißrussland. Die neu gebildeten Sprengel lernten Projekte zur Hilfeleistung den Kirchgängern erstellen. Die Projekte wurden von der Leitung „des Rundtisches“ finanziert. In Zusammensetzung des Vorstandes wurden die Vertreter verschiedener Konfessionen eingeladen. Die lutherische Gemeinde wurde von der Leiterin der Gemeinde „Rettung“ O. Stockmann vertreten. Im Jahr 1997 wurde der Gemeinde „Rettung“ Unterstützung in der Miete des Raumes für die Arbeit mit Gemeindeagliedern geleistet. Die Finanzierung dieses Projekts dauerte 2 Jahre.

In jenen Jahren hatten die Organisatoren der lutherischen Gemeinden keine theologische Bildung und wussten wenig von den Traditionen der lutherischen Kirche. Die Bibliotheken konnten nur knappe Information über M. Luther und lutherische Kirche im Allgemeinen zur Verfügung stellen. Deshalb musste man lernen und Kontakt mit der erfahrenen lutherischen Kirche aufnehmen. Solche nächste Kirche war die Evangelisch-Lutherische Kirche in Russland, der Ukraine, in Kasachstan und Mittelasien mit Zentrum in St. Petersburg im Gebäude der St. Peter-und-Paul-Kirche in Newski Prospekt – dort gingen Restaurationsarbeiten im Wiederaufbau der lange vor der Revolution gebauten lutherischen Kirche voran. Drei obengenannte in Weißrussland neugegründete Gemeinden schickten auf Kretschmars Namen die Briefe mit der Bitte um die Hilfe. Man hat eine bejahende Antwort bekommen, und bald kamen in neugegründeten Gemeinden die Vertreter der St. Peter-und-Paul-Kirche Aleksandr Pfarrer und Herr Kitzka, ein Pfarrer aus Deutschland, der damals in der Kirche in St. Petersburg diente. Es wurde die erste Bekanntschaft mit Vertretern der lutherischen Hauptkirche des postsowjetischen Raumes gemacht, was später eine bedeutende Rolle im Schicksal von Luthertum in Weißrussland spielte.

1996 kommt in Grodno Pfarrer der Berlinisch-Märkischer-Kirche Ralf Chaska mit seiner Frau an und predigt im Laufe von 3 Monaten das Wort Gottes. Die Kirche in Grodno bekommt Hilfe für die Restauration des Kirchengebäudes. Das Gebäude wurde der Gemeinde im Jahr 1995 übergeben, die Vorsitzende der Gemeinde in Grodno wurde Ljubov Sorina. Es wurden Restaurierungen der Kirchenhalle und des Gemeindehauses bei der Kirche durchgeführt. Wegen der Knappheit an Mitteln ging es den Gemeinden in Minsk und Witebsk schlechter.

1996 fand in St. Petersburg in der St. Peter-und-Paul-Kirche ein theologisches Seminar, zu dem O. Stockmann und L. Zwicki eingeladen wurden.

Vom Georg Kretschmars Brief vom 4.02.1997: „Ich gehe davon aus, dass sich die Gemeinden in Weißrussland solange auf eigene Kräfte nicht verlassen können, bis es in Weißrussland keinen ordinierten Pfarrer gibt. In Grodno wurde dieses Problem mehr oder weniger gelöst, aber in Minsk und Witebsk – nicht. Meiner Meinung nach, unser gemeinsames Ziel soll solche Vorbereitung von Brüdern und Schwestern der Gemeinden sein, damit sie selbst infuliert werden konnten. Wegen des heutigen Sachstandes ist es nur außerhalb Weißrusslands möglich. Zum Ziel gehört auch die Vereinigung von Gemeinden, damit ihre Zahl für die Gründung eines eigenen, rechtsgeschäftlichen in Beziehungen mit Staatsbehörden Bundes ausreichte“.

In St. Petersburg bekamen O. Stockmann und L. Zwicki die Einladung zum Studium an dem theologischen Seminar in Nowosoratowka, das Studium dauerte 2 Jahre. Im neu eröffneten, noch nicht bis zum Ende gebauten Seminar bekamen die theologische Bildung 4 Frauen und 7 Männer. Laut dem Statut Deutschlands, und auch der ELK in Russland, werden Frauen gleichberechtigt neben Männern ordiniert. Die Studenten des Seminars waren sowohl Männer, als auch Frauen. Nach dem Studiumsabschluß wurden O. Stockmann und L. Zwicki zu Predigern ordiniert.

Am 25. Mai 1999 findet in der Petrikirche in St. Petersburg die 2. Generalsynode statt. Zur Synode kamen 84 Vertreter der ELK aus allen Regionen der ehemaligen UdSSR und mehr als 50 Gäste. Die Predigt während des feierlichen Gottesdienstes hielt Bischof der ELK Professor Doktor Georg Kretschmar. Als Vertreter von Weißrussland wurden zur Synode Prediger O. Stockmann und L. Zwicki eingeladen. Bei ihren Reden sprechen sie über das Fehlen von kirchlichen Räumen und nötigen Mitteln für die Arbeit.

Am 12. Juni 1999 fand in Witebsk das feierliche Anlegen des Steines mit Georg Kretschmars Namen in die Grundlage der zukünftigen Kirche statt.

Im Sommer 1999 wurde Pfarrer Leonid Zwicki von der ELK zum bischöflichen Visitator in Weißrussland ernannt.

In diesen Jahren erscheinen in Weißrussland neue nicht registrierte Gemeinden: die Gemeinde des Gottes Kreuz in Minsk mit dem Leiter Nikolaj Bodrusev; eine lutherische Gemeinde in Gomel unter der Leitung von Rheinold Kelborn. Beide Gemeinden hatten keine eigenen Räume für Gottesdienste. Es wurde auch eine nicht registrierte Gemeinde in Zhodino unter Leitung von Pavel Lutschenko organisiert.

Georg Kretschmar und Hans-Christian Diedrich, der Stellvertreter des Bischofs des Europäischen Russlands, besuchen die Gemeinden in Weißrussland. Sie betrachten das geistige Leben der Gemeinden, ohne irgendwelche Veränderungen einzutragen. Die Gemeinden leben und entwickeln sich nach ihrem eigenen Weg.

1998 treffen sich G. Kretschmar, H.-Ch. Diedrich und O. Stockmann mit dem Metropoliten der Orthodoxen Kirche Philareten anlässlich der Frage des Wiederbelebens der Lutherischen Kirche in Weißrussland. Das Gespräch verging in warmer freundlicher Atmosphäre und versprach günstige Perspektiven in Zusammenarbeit zweier christlichen Kirchen. In demselben Jahr fand theologisches Gespräch zwischen der Russischen Orthodoxen Kirche und der Evangelischen Kirche in Deutschland. Von der Lutherischen Kirche Weißrusslands wurde zu diesem Treffen O. Stockmann, die Leiterin der ersten in Weißrussland lutherischen Gemeinde „Rettung“ eingeladen.

Die Leitung der ELK vertraut völlig dem neuen Visitator L. Zwicki. Er ist ein Mitglied des „Rundtisches“ geworden, wechselt an dieser Stelle O. Stockmann, er schlägt Projekte vor und bekommt finanzielle Unterstützung, bestellt das Projekt des zukünftigen Gebäudes der lutherischen Kirche in Witebsk und bekommt Anfangsfinanzierung dafür. L. Zwicki beschäftigt sich aktiv mit der Suche und Registration der neuen Gemeinden in Weißrussland – im Jahr 2000 wurden 9 Gemeinden registriert, beschäftigt sich mit der Suche nach Landstücken für die Umsiedler aus Kasachstan. Erzbischof G. Kretschmar plant die Vereinigung der lutherischen Gemeinden zu einem Bund und vertraut L. Zwicki diese Mission an. Es wurde das annähernde Datum der Gründungssynode der Belorussischen Evangelisch-Lutherischen Kirche genannt – am Ende des Jahres 2000. Der Bund sollte die Führung der Gemeinden erleichtern und ihnen mit Einladung von ausländischen Gästen helfen, denn, laut der „Vorschrift über die Einladungsordnung der ausländischen Bürger und Staatenlosen in die Republik Belarus für Religionstätigkeit“, können das nur religiöse Verbände machen, die mindestens aus 10 Gemeinden bestehen.

Am 2. Dezember 2000 fand in Witebsk die Gründungssynode der Belorussischen Evangelisch-Lutherischen Kirche statt. Als Gäste wurden zur Synode Erzbischof der ELK G. Kretschmar und Stellvertreter des Erzbischofs Europäischen Russlands H-Ch. Diedrich eingeladen. Es ist schwer, die Bewunderung der hohen Gäste zu wiedergeben, als L. Zwicki während der Synode zum Bischof der neu gebildeten Kirche der ELK in der RB ernannt wurde, die sich als absolut unabhängige Kirche verkündigt hat, die nicht zur ELK in Russland, in der Ukraine, Kasachstan und im Mittelasien gehörte mit dem Statut, das gründliche Unterschiede im Vergleich mit dem der Deutschen Kirche hatte. An dieser Stelle war L. Zwicki nur ein Jahr. Die  ELK tritt mit der Verurteilung der Gründung der ELK in der RB, aber der Prozess war schon unumkehrbar.

Folgende Gemeinden gehörten nicht zum neuen Bund: 2 Gemeinden aus Minsk – die Gemeinde „Rettung“ und noch nicht registrierte Gemeinde des „Gottes Kreuz“, die Gemeinde in Grodno, neu gegründete und nicht registrierte Gemeinde „Martin Luther“ in Witebsk, die neue Gemeinde in Mogiljow, nicht registrierte Gemeinde in Zhodino.

Im Herbst 2001 kommt Erzbischoff G. Kretschmar nach Minsk und lädt die Gemeinden, die nicht zum neuen Bund der ELK in der RB gehörten, zum Treffen anlässlich der Gründung eines anderen Bundes unter der ELK-Leitung. Zu neuem Bund evangelisch-lutherischen Gemeinden gehörten alle oben genannten Gemeinden außer Gemeinde „Rettung“, die als selbständige Gemeinde anerkannt wurde. Zum Bundesvorsitzenden wurde L. Sorina gewählt, die Vorsitzende der Gemeinde aus Grodno, da es die einzige lutherische Kirche in Weißrussland nur in Grodno gab. Zu dieser Zeit wurde die Kirche zum Teil restauriert.

2001 wurden insgesamt 13 Gemeinden registriert, 2003 – 19 Gemeinden, 2005 – 22 Gemeinden.

Also, im Jahr 2001 gab es auf dem belorussischen Territorium schon 2 lutherische Bünde:

  1. Belorussische Evangelische Lutherische Kirche (BELK) unter Leitung vom Bischof L. Zwicki;
  2. Bund evangelisch-lutherischer Gemeinden (BELG) unter Leitung des Vorsitzenden des Bundes L. Sorina.

Bis zum Jahr 2000 gehörten alle belorussischen Gemeinden zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland und in anderen Staaten ELKRAS. Nach der Synode im Jahr 2000 in Witebsk hat sich die BELK zum Nachfolger „der Lutherischen Kirche, die auf das Territorium des Großfürstentums Litauen seit dem XVI. Jahrhunderts existierte, und anderer lutherischen Kirchen, die auf das belorussische Territorium später  existierten“ ernannt. Die Synode hat die Deklaration angenommen, die eine Reihe von Punkten der Glaubenslehre im Geiste der konservativen christlichen Tradition proklamierte – die Verneinung der  Priesterweihe von Frauen und Verurteilung der Homosexualität. Der Bund BELG gehörte zur ELKRAS. Sein Leiter war laut dem Statut des Bundes Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche Russlands. Bis zur 3. Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche der ehemaligen UdSSR wurde der Bund BELG von St. Petersburger Kirche unterstützt – es wurden die Tätigkeitsprogramme zusammengestellt, Seminare und Begegnungen mit Vertretern der  lutherischen Kirchen Deutschlands durchgeführt.

Im Jahr 2000  gab es Veränderungen in Gesetzgebung anlässlich der Registration der religiösen Gemeinden Weißrusslands. Laut dem Punkt 3. Artikel 5. des Zivilgesetzbuches der  RB können die gesellschaftlichen Organisationen nur in den Gebäuden des Nichtwohnfonds untergebracht werden. In der RB gibt es derzeit keine lutherische Kirche außer der Kirche in Grodno. Die Miete des Gebäudes kostet zu viel und es ist schwer, einen Vermieter zu finden, der einverstanden ist, den Raum einer kirchlichen Gemeinde zu vermieten. Der Ausgang war gefunden: private Häuser wurden gekauft und in die Gebäude des Nichtwohnfonds verwandelt. ELKRAS subventioniert die Einkäufe solcher Häuser den Gemeinden, die keine Registration haben. Als Ergebnis bekommen die BELGs-Gemeinden eine Registrationsmöglichkeit, können in solchen Häusern Gottesdienste führen, mit Gemeindegliedern arbeiten.

2004 versammelt sich in St. Petersburg die Generalsynode ELKRAS. Aus Weißrussland wurden zur Synode L. Sorina vom BELG und O. Stockmann von der selbständigen lutherischen Gemeinde „Rettung“ eingeladen. Die Synode wird durch die Neuwahlen der Leitung gekennzeichnet. Im Zusammenhang mit Erzbischofs Georg Kretschmar Rücktritt wird Edmund Ratz – bischöflicher Visitator in der Ukraine, Doktor der Theologie, zum neuen ELKRAS-Leiter ernannt.

Im Dezember 2005 besuchen Erzbischof E. Ratz und Hauptleiter der zentralen Kirchenleitung Hans Schwann BELGs-Gemeinden und die Gemeinde „Rettung“. Von der Erklärung des Erzbischofs wurde es klar, dass es vergeblich ist, auf die Unterstützung zu rechnen.

Am 22. April 2006 wurde vom BELG die Entscheidung getroffen ELKRAS zu verlassen. Vom Brief des BELGs-Vorsitzenden O. Sorina: „Von Anfang an und bis zu dieser Zeit war und bleibt die ELK-Politik auf das belorussische Territorium falsch. Alle Gemeinden des Bundes wurden von Gläubigen spontan am Anfang der 90-er Jahre unabhängig von der ELK gebildet. Die Einmischung der ELK ins Leben der lutherischen Gemeinden vermittelte die Aufstellung zufälliger Leute, ihre Ordination zu Pfarrern und Bischöfen, es wurde der Prozess der Zersplitterung von Gemeinden und der Bildung von neuen Kirchen hervorgerufen (BELK, SELK). Die Finanzierung der Gemeinden des Bundes fehlt, Finanzaufkommen und finanzielle Quellen sind unbekannt“ u. s. w. Der Brief wurde von allen 5 Gemeinden unterschrieben.

Im Juli 2006 fand in Minsk die Sitzung des Präsidiums des Bundes BELG statt, an dem Erzbischof E. Ratz teilnahm. Es wurden die Fragen behandelt, die Perspektiven der Zusammenarbeit zwischen BELG und BELK in der RB angingen. Nach den Verhandlungen mit der ELK-Leitung und Beseitigung der existierenden Missverständnisse hat das BELGs-Präsidium die Entscheidung getroffen im Bestand der ELK zu bleiben. Es wurde die Entscheidung über die Teilübergabe der Befugnisse des BELGs geistlichen Leiters dem Pfarrer I. A. Masjura für 2 Jahre (bis zum 9.07.2008) getroffen, dem Leiter der presswetireanischen Gemeinde in Mogiljow. Pfarrer I. A. Masjura hat seine Gemeinde als lutherische im Jahr 2006 registriert.

Das Einverständnis und gegenseitige Verständigung zwischen den Gemeinden fehlten. Pfarrer der Gemeinden in Minsk und Zhodino Badrusjev verließ den Bund und schließ sich an die Ukrainische Lutherische Kirche an.

Welches Schicksal hatte der andere Bund, die ELK in der RB, der von L. Zwicki im Jahr 2000 gegründet wurde? Im neu gegründeten Bund gab es kein Frieden und Verständnis. Die Gemeindeleiter hatten ihre eigene Sicht auf die weitere Entwicklung der Tätigkeit des Bundes. Die Eile bei der Gründung und Registration der Gemeinden und das Fehlen der geistlichen Bildung bei Gemeindeleitern und Gemeindeangehörigen haben ihre Rolle gespielt. Als Ergebnis ist der Konflikt zwischen dem Konsistorium und Bischof mit der Amtsenthebung des letzten zu Ende gegangen. Die Kirche wurde vom Konsistorium geleitet. Zum Bischofsvertreter wurde 2002 Kastus Mordswinzev ernannt.

Im Februar 2004 fand in Witebsk die 3. Synode der BELK in der RB statt, deren Durchführung mit der Notwendigkeit der Regelung der BELK-Rechtsstellung im Zusammenhang mit der neuen im Jahr 2002 in Kraft getretenen Redaktion des Gesetzes über religiöse Organisationen verbunden worden war. In seinem Vortrag beschrieb Bischofsvertreter Pfarrer Kastus Mordzwinzev ausführlich die BELK-Tätigkeit von 2003 bis zum Anfang 2004. Als Gäste waren zur Synode die Vertreter Evangelisch-Lutherischer Kirche von Lettland und die Vertreter Lutherischer Kirche Missourischer Synode eingeladen.

Diese Handlungen des Bundes führten nicht zum Frieden und Einverständnis unter Glaubensgenossen. Der innere Kampf wurde weitergeführt. Im Jahr 2003 erklärten sich 4 Gemeinden vom Konsistorium unabhängig und schufen „Koordinationsrat der ELK in der RB für die Verteidigung der gesetzlichen Rechte und Interessen unterdrückter Gemeinden und Priestern ELK in RB“. Im Oktober 2004 haben diese Gemeinden in Lida Gründungssynode durchgeführt und einen neuen Bund „Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche der RB“ gegründet. Die Organisatoren und Leiter neuen Bundes wurden W. Meierson, der Gemeindeleiter aus Bobrujsk, und S. Geil, der Gemeindeleiter der Stadt Lida. Der neue Bund evangelisch-lutherischer Gemeinden die SELK in der RB wurde in Weißrussland im Jahr 2006 registriert.

Über das Schicksal anderer Gemeinden:

2008 verliert Masjura die Vollmacht, BELG zu vertreten. 2009 ist BELG zu grunde gegangen. Er wurde infolge kleiner Anzahl und Finanzierungsfehlens abgeschaffen. Der geistliche Leiter der Gemeinden in Grodno und Witebsk ist zur Zeit der Absolvent des theologischen Seminars in Nowosoratowka W. Tatarnikov.

Der ehemalige BELK-Bischof L. Zwicki hat im Jahr 2009 eine neue Gemeinde im Dorf Androwitschi registriert, die faktisch nicht funktionierte und existierte.

Die evangelisch-lutherische Gemeinde „Rettung“ in Minsk setzt ihren Dienst als autonome Gemeinde fort.

Am 29. Januar 2010 fand in Hannover (Deutschland) ein Treffen zwischen Vertretern des Lutherischen  Weltkirchenbundes und Selbständiger Evangelisch-Lutherischer Kirche anlässlich der Frage der gemeinsamen zukünftigen Teilnahme an der kirchlichen Arbeit in Weißrussland statt. Von der belorussischen Seite nahmen am Gespräch Wladimir Meierson und Pfarrer Wladimir Tatarnikov teil. Der beim Treffen anwesende Bischof Litauischer Evangelischer Kirche Mindaugas Sabutis schlug vor, die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche in Weißrussland zu führen und zu unterstützen. Der EDK (Evangelische Kirche Deutschlands) Vertreter Michael Hübner schlug vor die Kräfte auf die Verstäkgung der Einheit lutherischer Gemeinden in Weißrussland zu richten.  

Dieses Treffen gibt Anlaß und Hoffnung auf die weitere Entwicklung lutherischer Kirche in Weißrussland.

Literatur- und Quellenverzeichnis:

  1. Georg Kretschmars Bischofsbericht vor der 2. Generalsynode der ELK.
  2. Das Gesetz der Republik Belarus vom 17. Dezember 1992 „Über die Gewissenfreiheit und religiöse Organisationen“.
  3. Die Eingabe des BELGs an die Adresse des Bevollmächtigten in den Fragen der Religion und Nationalität.
  4. Hans-Christian Diedrich „… unser Traum, zur Einheit zu gelangen“.
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